29. Oktober 2018, RWE Power AG

30.000 Stimmen wurden zu einer

Ein lautes Zeichen für die Jobs in der Region und die Zukunft des Reviers sollte die Demo setzen.

Als am vergangenen Mittwoch in Bergheim und Elsdorf 30.000 Stimmen zu einer wurden, hatte dies Wirkung, wie die Resonanz der Medien beweist.

RWE ist ein Großkonzern, ab er dahinter stehen tausende Menschen mit ihren Familien, an denen die Anfeindungen der letzten Monate nicht spurlos vorübergegangen sind. Zu dieser Erkenntnis kam auch Spiegel Online: Seit Mittwoch sei klar, dass auch Bergleute wissen, dass es längst nicht mehr nur um gute Argumente gehe, um wahrgenommen zu werden. Die Emotionen kamen an: Die Demo der Bergleute, so SPON, sei ein Gegenschlag im Kampf um die Aufmerksamkeit. Als „Lärm der Entrüstung“, beschreibt die Rheinische Post den Protest bei der Demo.

Laut war es, bestätigt auch der leitende Polizeidirektor aus dem Rhein-Erft-Kreis, Roland Küpper, gegenüber der Kölnischen Rundschau – aber auch friedlich: „Über 20.000 Menschen, die teilweise mit der Kohle aufgewachsen oder verbunden sind, haben bei einem stark emotional besetzen Thema demonstriert, wie friedlicher aber wirkungsvoller Protest aussehen kann oder besser: sollte.“

Sogar taz-Redakteur Pascal Beucker ruft nach der Demo in seinem Kommentar „Berechtige Ängste“ dazu auf, die Sorgen und Nöte der Beschäftigten in der Kohlebranche ernst zu nehmen. Wer den ökologischen Umbau wolle, so Beucker, müsse alles dafür tun, den Betroffenen im Rheinischen Revier eine überzeugende Perspektive für die Zeit nach der Braunkohle aufzuzeigen.

„Schluss mit dem Ökowahn“ titelt unterdessen die FAZ und die Börsenzeitung zitierte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU), der an die Kommission appelliert habe, einen nachhaltigen Ausstieg aus der Braunkohle zu planen und sich nicht an Symbolen festzuhalten. Die Frage des Weltklimas und des deutschen Beitrags sei größer als die Frage des Hambacher Forstes.

Als Symbol versteht auch WAZ-Redakteur Stefan Schulte den Hambacher Forst in seinem Kommentar. Ein Symbol der Zerrissenheit der Gesellschaft angesichts der „Jahrhundertaufgabe“ einer klima- und sozialverträglichen Energiewende.

Die taz greift in ihrem Beitrag „Wir haben kein schlechtes Gewissen, weil wir keins haben müssen“ die Fragen auf, die Laschet in seiner gestrigen Rede aufwarf: Was helfe es, wenn die Industrie aufgrund zu hoher Strompreise abwandere und ThyssenKrupp oder die Aluminiumhütte sage, sie gehen ins Ausland, weil sie hier nicht mehr produzieren können? „Dem Weltklima sei damit nicht gedient“ schreibt auch die Welt Online. Die Demo setze ein spektakuläres Gegensignal, denn seit Wochen schon sorgen die Beschützer des Hambacher Forstes für Schlagzeilen. Es müsse klar sein, zitiert die Welt Laschet, woher bezahlbarer Strom komme und was dann mit dem Rheinischen Revier passiere.

Was die Mitarbeiter von RWE brauchen, sei Solidarität, so die Westdeutsche Zeitung, und wenn die Großdemonstration in Elsdorf ein Zeichen für etwas sei, dann für das: „Die Solidarität mit den Bergleuten, die Solidarität auch mit RWE im Rheinischen Revier ist groß. Vermutlich sehr viel größer, als mancher Klimaschützer, Umweltaktivist und Waldbesetzer geahnt haben mag.“ Auffällig sei zudem, wie viele Arbeitnehmer anderer Industriebranchen und sogar kleine Handwerksbetriebe gekommen seien. Und: wie viele junge Menschen sich an der Demo beteiligt hätten.

Erfreulich, wie viele Stimmen und damit auch wichtige Kernbotschaften abgedruckt wurden. „Die Aufmerksamkeit an diesem Mittwoch gehört allein den Braunkohlebeschäftigten“, schreibt der Kölner Stadtanzeiger. „Eine Frage des Respekts“ titeln die Ruhrnachrichten und die Aachener Nachrichten bemerkt: „Die Redner verbreiten wieder Hoffnung. Die Großdemo der IG BCE ist zu einem in diesem Ausmaß überraschendem Zeichen der Solidarität für den Energiekonzern RWE und seine Angestellten geworden.“