Fakten zum Tagebau Hambach

Die wichtigsten Informationen für Sie auf einen Blick

Tagebau Hambach (Stand Ende 2017)
Größe des genehmigten Abbaufeldes (Braunkohlenplan)

8.500 ha

Betriebsfläche

rd. 4.380 ha

Verhältnis Abraum zu Kohle (Gesamtlagerstätte)

6,3 : 1

jährliche Abraumleistung

rd. 220-250 Mio. m³

jährliche Kohlenförderung

rd. 40 Mio. t

Schaufelradbagger
Anzahl der Geräte

215

Kapazität ( m³ / Tag )

110.000200.000240.000

Absetzer
Anzahl der Geräte

16

Kapazität ( m³ / Tag )

150.000240.000

Bandanlagen
Gesamtlänge

115 km

Rekultivierung
Landinanspruchnahme bis Ende 2015

rd.5.940 ha

Wiedernutzbarmachung bis Ende 2015

rd. 1.560 ha

davon landwirtschaftlich

rd. 15 ha

davon forstwirtschaftlich

rd. 1.545 ha

Im Herzen des Rheinischen Reviers, zwischen Jülich im Kreis Düren und Elsdorf im Rhein-Erft-Kreis, liegt der Tagebau Hambach. 1978 erschloss die damalige Rheinbraun AG das Areal, um dort Braunkohle zu fördern. Heute nimmt die Betriebsfläche des Tagebau Hambach rund 4.380 Hektar ein. Unter dem 85 Quadratkilometer großen Abbaufeld nordwestlich des Hambacher Forst lagern noch etwa 1,5 Milliarden Tonnen Braunkohle in einer Tiefe von bis zu 450 Metern.

Heute – 40 Jahre nach Beginn des Tagebaubetriebs – betreibt der Energieerzeuger RWE Power den Tagebau Hambach. Sieben Bagger mit einer maximalen Tageskapazität von bis zu 240.000 Tonnen fördern dort jährlich zusammen rund 40 Millionen Tonnen Braunkohle. Die Schaufelradbagger im Tagebau Hambach sind die größten Arbeitsmaschinen der Welt. Sie sind bis zu 240 Meter lang, knapp 100 Meter hoch und wiegen bis zu 13.500 Tonnen. Etwa 90 Prozent der geförderten Kohle versorgen die nahegelegenen Kraftwerke. Die Kohle aus dem Tagebau Hambach deckt rund 15 Prozent des nordrhein-westfälischen Energiebedarfs. Anders ausgedrückt: Jeder siebte Haushalt in NRW bezieht seinen Strom aus Kraftwerken, die vom Tagebau Hambach rund um die Uhr mit Braunkohle versorgt werden.

Der Tagebau Hambach ist ein offener Tagebau. Das heißt, bevor die Bagger von RWE an die Braunkohle gelangen, müssen sie das darüber liegende Erdreich abtragen. Dieser sogenannte Abraum wird über kilometerlange Förderbänder zur Rückseite des Tagebaus bewegt, wo er verkippt wird. Die Braunkohle dagegen gelangt über Förderbänder zu einem Verteilpunkt und von dort mit der 22 Kilometer langen Hambachbahn zu den Kraftwerken und Veredlungsbetrieben.

Wie jeder offene Tagebau wandert der Tagebau Hambach stetig weiter durch die Landschaft – Meter für Meter, Jahr für Jahr. Der Grund ist einfach: Um die über der Kohle liegenden Erdschichten abzutragen und gleichzeitig die Braunkohle fördern zu können, gewinnen die Bagger das Material auf verschiedenen Arbeitsebenen, sogenannten Sohlen. Im Tagebau Hambach wird die Braunkohle auf den tiefsten Sohlen 6 und 7 gefördert, während auf den darüber liegenden Sohlen das Erdreich abgetragen wird. Abraumförderung, Kohlegewinnung und Abraumverkippung laufen zeitgleich.

Die Abbaukante des Tagebaus ist mehrere Kilometer lang und steht direkt vor dem verbliebenen Hambacher Forst. Ihn wie auf einer Insel stehen zu lassen und um ihn herumzubaggern, ist technisch nicht möglich, weder vorläufig noch dauerhaft. Das freie Gelände rechts und links neben dem Wald ist viel zu klein für zwei mehr als 400 Meter tiefe Gruben. Die Böschungen, also die Seitenwände, sind stufenweise abgeschrägt, damit sie stabil stehen. Sie würden in der Tiefe zusammenlaufen, und man käme gar nicht an die Kohle heran.

Während sich der Tagebau in südöstliche Richtung weiterentwickelt, bewegt sich auch auf seiner Rückseite viel. Denn dort verkippt RWE das angefallene Erdreich mit sogenannten Absetzern und füllt das im Zuge der Braunkohlegewinnung entstandene Loch wieder auf. Dabei werden Sand, Kies und fruchtbarer Löß gezielt so aufgebracht, dass die neu entstehenden Flächen eine hochwertige Renaturierung und Rekultivierung erlauben. Auf diese Weise entstand in den 1980er Jahren im Nordwesten des Tagebau Hambach zum Beispiel eine neue Landmarke – die sogenannte Sophienhöhe. Das ist ein künstlich angelegter, bewaldeter Berg, der die angrenzende Börde um 200 Meter überragt und sich längst zu einem beliebten Ausflugsziel in der Region entwickelt hat. Käme es zum Erliegen des Tagebaubetriebs, wäre auch die Rekultivierung betroffen, da das dafür erforderliche Erdreich nicht mehr abgetragen werden würde.

RWE Power setzt ein umfangreiches Programm zum Schutz der aus dem Hambacher Forst verdrängten Tierarten um. Jedes Jahr werden hunderte von Haselmäusen und Amphibien aus dem Tagebauvorfeld umgesiedelt. Ameisenhaufen werden auf die Sophienhöhe umgelagert. Hunderte von Nistkästen für Schleiereulen, Turmfalken und andere Vögel werden aufgehängt. Außerhalb des Abbaubereichs, also in der offenen Landschaft, hat das Unternehmen 700 Hektar überwiegend landwirtschaftlich genutzte Flächen für bislang 50 Millionen Euro ökologisch aufgewertet. Da sind Grünstreifen angelegt, Grünbrücken errichtet und extensive Viehweiden angelegt worden, alles um Ausweichlebensräume zu schaffen. So grasen Glanrinder auf extensiven Weiden bei Kerpen. Der Dung dieser robusten, ganzjährig draußen lebenden Rinder zieht Fliegen an, die wiederum Nahrung für Fledermäuse sind. In Altwaldbereichen, wie dem Kerpener Parrig, dem Nörvenicher Wald und der Steinheide, wird auf das Fällen hiebsreifer Bäume verzichtet, um Fledermäusen und Brutvögeln Höhlen und Spalten in den alten Gehölzen zu erhalten.

Zoologen statten Fledermäuse mit Sendern aus und werten die Funksignale aus. Horchboxen verraten, wo Fledermäuse ihre Nahrung suchen. Anderen Tierarten sind Fachleute mit Fotofallen, also Wildkameras, auf der Spur. Begleitet wird diese Arbeit von renommierten Wissenschaftlern. Deswegen wissen die Beteiligten, dass das Artenschutzprogramm für den Tagebau Hambach funktioniert.