Rodung im Hambacher Forst wichtig für weiteren Betrieb des Tagebaus Hambach

Hambacher Forst: Warum RWE Power dort roden muss

Die Frage taucht immer wieder auf: „RWE, warum müsst ihr überhaupt im Hambacher Forst roden?“ Um diese Frage dreht sich eine Diskussion, die RWE seit Jahren mit verschiedensten Interessengruppen führt.
Also: Warum ist die weitere Rodung des Hambacher Forst notwendig?

Der Tagebau Hambach ist kein unterirdisches Bergwerk, das von einem festen Punkt aus die Landschaft unterhöhlt. Er ist eine offene Grube von gut 30 Quadratkilometern. Zum Braunkohleabbau muss zunächst das Erdreich über der Kohle abgetragen werden. Auf höhenversetzten Ebenen, den sogenannten Sohlen, tragen Bagger verschiedene Erdschichten ab, bis die Braunkohle freigelegt ist und gewonnen werden kann. Der Tagebau Hambach erstreckt sich über sieben Sohlen. Dieses System von Geländestufen wandert langsam weiter. Das Abtragen des Abraums, das Abbagern der Braunkohle und das Aufschütten des Abraums auf der Rückseite des Tagebaus laufen gleichzeitig ab: Während auf den untersten Sohlen Braunkohle gewonnen wird, tragen die Bagger auf den oberen Ebenen weiter Erdreich ab. Dadurch bewegt sich der gesamte Tagebau Meter für Meter nach vorn. Im sogenannten Braunkohlenplan, der landesplanerischen Genehmigung des Tagebaus, sind die Grenzen, in denen der Tagebau betrieben werden darf, genau definiert. Dadurch ist die Entwicklung genau vorgegeben, die der Tagebau Hambach nehmen darf. Vor der Vorderkante des Tagebau Hambach stehen aktuell die Reste des Hambacher Forst – eines Waldgebietes, das sich früher über große Teile des Abbaufelds erstreckte und in den vergangenen vier Jahrzehnten nach und nach weichen musste. Die Rodung des Waldes für den nahenden Tagebau ist erforderlicher Bestandteil der Braunkohlengewinnung und damit der energiewirtschaftlichen Rolle dieses Tagebaus. Um die Braunkohlengewinnung planmäßig fortsetzen zu können, ist eine Rodung notwendig. Diese ist derzeit bis zur Entscheidung des Verwaltungsgerichts Köln ausgesetzt.

Durch den aus Sicherheitsgründen erforderlichen Böschungswinkel ist es technisch unmöglich, um den Wald herumzubaggern. Die Kohle wäre für die Bagger nicht mehr erreichbar.

Im Fall des Tagebau Hambach ist es notwendig, weitere Teile des vor der Abbaukante anstehenden Hambacher Forst zu roden, um in den behördlich genehmigten und vorgeschriebenen Abbaugrenzen weiter Braunkohle fördern zu können. Aufgrund von umwelt- und artenschutzrechtlicher Bestimmungen darf nur in einem schmalen Zeitfenster gerodet werden – jeweils vom Oktober eines Jahres bis Ende Februar des darauf folgenden Jahres. Durch den aktuellen Rodungsstopp droht der tagbauliche Betrieb zum Erliegen zu kommen. In letzter Konsequenz könnte der Tagebau Hambach die benötigte Braunkohle an die umliegenden Kraftwerke und Veredlungsbetriebe nicht mehr liefern.

Die spätere Abbaufläche des Tagebau Hambach vorzubereiten, dauert rund zwei Jahre. Grund dafür sind gesetzlich vorgeschriebene Abläufe, die RWE einhalten muss.

Diese zielen zunächst auf den Artenschutz ab: Baumhöhlen von zu rodenden Bäumen im Hambacher Forst werden mit einer speziellen Kamera untersucht. Ist eine Baumhöhle besetzt, wird abgewartet, bis das Tier die Baumhöhle verlässt, um die Höhle dann zu verschließen. Sobald die beauftragten Zoologen nachweisen, dass in dem Rodungsgebiet keine schutzbedürftigen Tiere mehr leben, sind die Rodungen möglich. Sind die Bäume gefällt, müssen die Stämme sowie das Kronen- und Astholz beseitigt werden.

Im nächsten Schritt wird die oberste Bodenschicht beräumt. Dabei zerkleinern RWE-Mitarbeiter die Baum- und Buschwurzeln und transportieren sie ab. Im Anschluss erfolgt eine systematische und daher zeitintensive Bodenuntersuchung durch Fachleute des Tagebaus. Dabei wird im gerodeten Teil des Hambacher Forst nach Metallen und nach Überresten von Weltkriegsmunition gesucht. Der Hambacher Forst liegt auf einer Route, über der Alliierte Bomber während des Zweiten Weltkriegs nach Bombenangriffen im Ruhr- und Rheingebiet zurück nach England flogen. Häufig wurde dabei Material über unbewohntem Gebiet abgeworfen. Dieses gilt es zu finden und sicher zu entsorgen. Darüber hinaus suchen Mitarbeiter des LVR-Amts für Bodendenkmalpflege im Rheinland nach archäologisch relevanten Kulturspuren, wie Siedlungen und Gräbern. Gegebenenfalls müssen Leitungen, Wege und andere Infrastruktur zurückgebaut werden.
Die Maßnahmen zur Vorbereitung der Rodung im Hambacher Forst unterliegen gesetzlichen Bestimmungen und können bei Verzögerungen – wie sie aktuell mit dem Rodungsstopp vorliegen –  nicht nach Belieben beschleunigt oder gestrafft werden.