Am Beispiel Hambach erklärt:
Wie funktioniert ein Tagebau?

Braunkohle kann in Deutschland nur im offenen Tagebau gewonnen werden. Ein Untertagebetrieb von einem Punkt aus, wie wir ihn von den Steinkohlenzechen des Ruhrgebiets kennen, ist nicht möglich. Deshalb müssen die Bagger die lockeren Erdschichten aus Kies, Sand und Ton erst abtragen, um die Kohle freizulegen. Das Erdreich wird von Förderbändern kontinuierlich auf die Rückseite des Tagebaus transportiert, dort von sogenannten Absetzern verteilt. Damit bildet es den Boden für die unmittelbare Rekultivierung, wo neue Felder und Wälder entstehen. Die riesige Grube „wandert“ auf diese Weise langsam durch die Landschaft. Das bedeutet auch, dass alles, was an der Oberfläche liegt, nach und nach verlegt wird: Felder, Straßen, Autobahnen, Ortschaften und auch wie im Fall des Hambacher Forst Wald.

Der Tagebau Hambach ist treppenförmig angelegt. Auf jeder Treppenstufe (bergmännisch: Sohle) arbeitet ein Bagger und trägt das Erdreich vor ihm ab. Erst auf den Sohlen 6 und 7 – den untersten Arbeitsebenen des Tagebau Hambach – liegt das Braunkohlenflöz.

Der Tagebau Hambach bewegt sich innerhalb einer staatlich genehmigten Abbaugrenze. Nur innerhalb eines solchen, ausgewiesenen Gebiets ist es RWE erlaubt, Braunkohle zu fördern. Im Tagebau Hambach liegt das Braunkohlenvorkommen erst in einer Tiefe von über 400 Metern. Markenzeichen der Tagebautechnik sind die riesigen Schaufelradbagger. 240 Meter lang, fast 100 Meter hoch und 13.500 Tonnen schwer, sind sie die größten selbstfahrenden Arbeitsmaschinen der Welt. Rechnerisch können sie täglich ein Fußballfeld 30 bis 40 Meter tief auskoffern.

Die kilometerlange Abbaukante des Tagebaus Hambach bewegt sich langsam in südöstlicher Richtung. Im Vorfeld liegen die restlichen Bereiche des Hambacher Forsts. Damit der Tagebau Hambach weitergehen und damit weiter Braunkohle gefördert werden kann, müsste jedes Jahr ein weiterer Waldstreifen gerodet werden. Durch das Urteil des OVG Münster kann die notwendige Rodung zur planmäßigen Fortführung des Tagebaubetriebs nicht in der Rodungssaison 2018/2019 durchgeführt werden. Ohne die Freimachung des Vorfelds könnte der Tagebau-Betrieb zum Erliegen kommen. Rund zwei Jahre Vorlauf werden für den gesetzlich vorgeschriebenen Artenschutz, für das Fällen der Bäume im Hambacher Forst und für die Suche nach Metall, Überresten von Weltkriegsmunition und archäologischen Spuren im Boden benötigt. Für RWE und den Tagebau Hambach ist Zeit daher ein relevanter Faktor. Und zugleich auch für die Versorgungssicherheit Nordrhein-Westfalens. Denn im Tagebau Hambach wird Braunkohle für die nahegelegenen Kraftwerke gewonnen, die damit den Strom für jede siebte Steckdose in Nordrhein-Westfalen liefern. Die Kohle aus dem Tagebau Hambach wird mit Zügen zu den nur wenige Kilometer entfernten Kraftwerken und Veredlungsbetrieben gebracht. Dort wird sie zur Stromerzeugung oder zur Herstellung fester Brennstoffe und Filterstoffe verwendet.

Renaturierung und Rekultivierung sind Teil des Konzepts

Die Rekultivierung und damit die Gestaltung einer neuen Landschaft ist fester Bestandteil des Tagebau-Betriebs. Doch die wesentliche Arbeit macht die Natur selbst. Dafür braucht sie Zeit. Doch die Grundlagen sind mit der Sophienhöhe gelegt.